Ist ich's, bist er's oder bin du's?
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"Sagen Sie nicht 'Kommunikation'. Sagen Sie einfach 'Verständigung', das bedeutet dasselbe. 'Kommunikation' ist das Schwafelwort des Jahrhunderts."

Heute gehört bei J. Zenke
3.11.05 21:03


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Gespräche einer Anthropologin, einer Buchhändlerin (!), einer Medizinerin und einer Fotokünstlerin über Sex sind intellektuell stimulierend und geistreich, sollte man meinen?
Nein. Die letzte Woche angelaufene Serie "Alles über Sex" belehrt einen eines besseren.

Um klarzustellen: ich schreibe das nicht einfach so. Ich würde mir nicht die Blöße geben, den Pilot dieses Ausbundes an Platitüde angesehen zu haben einzuräumen, wenn er mich - von den gängigen Schwächen derartiger Produkte abgesehen - nicht so mordsmäßig erschreckt hätte. Phantasielose Regie, schwache Darsteller, fataler Hang zur Fließbandkost: all das hätte ich ebensogut an "Julia - Wege zum Glück" oder wegen mir "Wo der Wildbach durch das Höschen rauscht" (Regie: der unsterbliche Jürgen Enz) beklagen können. Selbst dass die Charaktere hier Namen zieren wie "Minza", könnte mir noch egal sein. Nein.
Was mir einen derartig unverhältnismäßigen Schock versetzt hat, ist, wie offensichtlich und dreist selbst die besten Voraussetzungen an die Wand gefahren werden.

Kann man sich etwas Schöneres vorstellen als vier gutaussehende und gebildete Frauen aus Kunst und Wissenschaft, die mit jedem in die Kiste steigen? Ja? Was? Das Tischlein-Deck-Dich vielleicht noch, aber das war es dann auch schon. Perfekte Prämissen für großes Kino, für zündende Dialoge und eine pointierte Betrachtung von Sex aus neuen Blickwinkeln! Wie herrlich, was da für Genres aufeinandertreffen! Und, was ist? Der gleiche hohle und unendlich banale Mist wie immer: die Buchhändlerin sucht - wie originell - die große Liebe im Netz, die Anthropologin sorgt sich um die Laute, die sie beim Geschlechtsverkehr von sich gibt.
Da stellt sich ein Thema für eine philosophische Diskussion: Ist der wunderbare Stoff vergeigt worden, weil die Macher unfähig waren - oder ist sein Potential ignoriert worden, weil es a priori gar nicht zentraler Wesensausdruck, sondern bloß Nebenwirkung des Konzepts war? Sind wir etwa dazu verdammt, dass alles, was in der Glotze läuft, scheiße ist?
Ich stelle anheim und hoffe auf rege Erörterung.
14.11.05 22:49


Anne Bushalte (II). Kurz bevor der Bus kam, sah ich vor mir auf dem Fahrradweg, der Bushalte und Straße voneinander trennt, einen Regenwurm verzweifelt versuchen, sich auf dem Pflasterstein einzugraben; es funktionierte - natürlich - nicht. Er wand sich verzweifelt hin und her und dann fuhr auch noch eine alte Frau mit ihrem Fahrrad über ihn drüber. Da Regenwürmer zäh sind, versuchte er jetzt in Agonie nur noch hektischer, ins Erdreich einzudringen, weil er nicht begriff, dass man sich in Pflasterstein nunmal nicht eingraben kann.
Ich hätte ihn einfach nehmen und die zwei Meter zur Grasnarbe tragen können, wo er seinem Schicksal vielleicht entgangen wäre. Würdest du, fragte ich mich, wenn du mal auf dem Sterbebett liegst und nochmal die Wahl hättest, den Wurm dort liegenlassen, oder würdest du ihn ins Gras umsiedeln? Na, antwortete ich mir, ein wenig von selbst, ins Gras umsiedeln würde ich ihn, natürlich.
Aber tat ich es? Nein.
16.11.05 23:13


Der Bruder meiner Liebsten (der, von dem mir auch "Saw" geliehen wurde) ist im Besitz dreier DVDs, auf denen die sämtlichen Top-100-Hits von 1970 bis 2000 im mp3-Format niedergebrannt sind. Da ich gerne Popmusik höre, lieh ich sie mir aus.
Ich habe bislang die 70er durchgehört und muss sagen, ich bin bass erstaunt, wie wenig besser der Musikgeschmack damals war als heute. Mit der Vorherrschaft von Boney M, ABBA und The Sweet über Led Zeppelin, Pink Floyd und Bob Marley hatte ich gerechnet, nicht aber damit, dass fast die Hälfte der Singles deutsche Schlager waren, von den Nachwehen der Heintje-Welle Ende der 60er bis hin zu den ersten Ergüssen eines Jürgen Drews. Die Musik von Rudi Carrell und Ingo Insterburg muss dabei noch mit als die beste gelten; Heuler und Tiefflieger wie "Ich bin verliebt in die Liebe" von Chris Roberts, "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" von Jürgen Marcus oder Peter Maffays unsägliches "Es war Sommer" geben sich die buchstäbliche Klinke in die Hand.
21.11.05 01:18


Als ich der Tage mit der U-Bahn fuhr, hatte ich ein denkwürdiges Erlebnis. Einige Sitze von mir entfernt hatte sich ein Herr zwischen etwa vierzig und fünfzig allein in einem Vierer breitgemacht, trug Fußballklamotten und hatte eine Dose Bier neben sich stehen. Er sang ins peinliche Schweigen der Fahrgäste hinein lauthals: "Gladbach olé olé olé! Gladbach olé olé olé! Gladbach olé, Gladbach olé, Gladbach olé olé olé!" und klatschte dazu rhythmisch in die Hände, und immer wenn er fertig war, fing er wieder von vorne an.
Niemand sagte etwas dagegen, nicht der sehr autoritär aussehende Anzugträger mit dem Aktenkoffer und auch nicht die Horde junger Türken, die sich von ihm ja rein theoretisch in ihrer Ehre hätten gekränkt fühlen können. Nur eine ältere Dame, die mir gegenüber saß, beugte sich zu mir herüber und flüsterte mir vertraulich zu: "Er schuldet seinem Verein sehr viel."
30.11.05 20:58





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