Ist ich's, bist er's oder bin du's?
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Wollen wir eigentlich wissen?
Man könnte denken, ja. Schließlich sind wir nicht ohne Stolz eine aufgeklärte Informationsgesellschaft mit Transzendezverlust. Aber es kommen einem Zweifel, wenn man sich umsieht: Zweckrationalismus, öffentliche Meinung, Realitätstunnel. Weltbilder, die zusammengezimmert sind mit dem Zweck, ihre (oder auch die) eigene Existenz zu rechtfertigen.
Was zum Beispiel würde geschehen, wenn Gott wissenschaftlich erkannt werden könnte? Wäre man dann endlich zufrieden mit der Gewissheit? Oder wäre vielmehr der Witz weg? Wollen wir tatsächlich wissen, oder ist Wissen nur eine Attitüde, die man zur Not auch sausen lassen kann; wollen wir vielleicht lieber glauben, dass wir wissen? (Ob wir überhaupt wissen können, sei noch einmal außen vor.)
Liebe ist etwa so eine Sache; jeder mag sie, mancher redet allzu gern große Girlanden von ihr, aber vielen ist es ein Sakrileg, sie auf ein verstehbares Prinzip zurückzuführen. Liebe ist ja nun an sich keine Glaubensfrage. Es gibt sie ja de facto; Liebe ist dazu da, damit sich diejenigen Menschen finden, die miteinander möglichst überlebenstüchtige Nachkommen zeugen können. Jeder Mensch dünstet nämlich einen individuellen Geruch aus, der gleichsam eine Visitenkarte seiner genetischen Schwerpunkte ist. In einem Experiment ist nachgewiesen worden, dass Menschen in einem Raum mit vielen Stühlen und einigen fremden gegengeschlechtlichen Menschen sich mit tödlicher Sicherheit in die Nähe desjenigen setzen, dessen Genom das eigene möglichst gut ergänzt - weil er unterbewusst von der Vorliebe für den entsprechenden Komplementär-Geruch gelenkt wird. Liebe ist also eine hormonelle Reaktion, die bewirkt, dass man diejenigen Menschen attraktiv findet und sich mit ihnen paart, deren Genom das eigene sozusagen "vervollständigt". Das Ergebnis: die Nachkommen sind bei einer vielseitig ausgeprägten DNS in höherem Maße gegen Krankheiten und Parasiten gefeit.
Wenn man das einer Frau (und auch manchem Manne!) erzählt, will sie das aber - obwohl es eine wissenschaftliche Tatsache ist - nicht hören. Die Frau kann ansonsten noch so aufgeklärt, gebildet und rational tun; ihr wäre es meist lieber, wenn Liebe mit unerklärbarem, mystisch aufgeladenem und tiefsinnig-esoterischem (manchmal fürchte ich gar gnostischem) Brimborium zu tun hätte. Wieso das, das wäre dann noch eine ganz andere Diskussion. Nur weil sie nicht mit romantischen Vorstellungen und rosa Wölkchen zu tun hat und wissenschaftlich definierbar ist, hört die Liebe nun aber nicht auf Liebe zu sein. Sie war ja schon immer so, wir wussten es nur vielleicht nicht, aber das ändert an ihrem Wesen selbst ja nichts. Es könnten sich höchstens einige Rätsel, die sie uns aufgegeben hat, in Wohlgefallen auflösen, wenn wir sie einmal so betrachten und vielleicht feststellen, dass wir auch vielleicht ganz unsinnige Sachen von ihr erwartet haben.
Jetzt stellt euch einmal vor, Gott würde zufällig zu einem greifbaren und verstehbaren Begriff, sei es nun in Gestalt einer alten fetten schwarzen Oma oder einem Satz widerspruchsfreier Naturgesetze, die einander zwingend erklären. Was würden die Gläubigen sagen? "Das will ich aber nicht glauben"? "Das ist überhaupt nicht Gott, Gott sieht doch so und so aus"? Vor allem, was würden die Atheisten sagen? "Das will ich aber nicht wissen"? "Das kann überhaupt nicht Gott sein, Gott gibt es ja gar nicht"? Würde man wohl hinnehmen, dass Gott nicht aufhört Gott zu sein, nur weil man ihn erklären kann? Würden wohl beide Parteien Gott dann so als Gott akzeptieren wie er ist, oder würden sie ihm die Göttlichkeit absprechen, weil er ihr ganzes in jahrelanger Kleinstarbeit konstruiertes Weltbild umschmeißt?
Würde mich mal interessieren.
2.3.06 21:46


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Kürzlich (Freitag) hatte ich wieder so einen Fall, wo ich mich fragte, ob ich eigentlich noch normal sei.
Helges Freundin erzählte. Sie arbeitet in einem medizinischen Ausbildungsberuf und hat folglich eine Art Schulunterricht, in denen Themen, die für Krankenpfleger relevant sind, behandelt werden, z. B. Ausscheidungen. So berichtete sie mit düpiertem Unterton davon, dass ihre Lehrerin auf das Problem der Inkontinenz im Alter hinwies. Inkontinenz, erdreistete die Lehrerin sich zu erklären, sei aber durchaus vorzubeugen, und es empfehle sich, auch für den Krankenpfleger selber, schon in jungen Jahren zu diesem Zweck die Beckenmuskulatur zu trainieren. Das funktioniere am besten, indem man sich einen Stift in die Vagina - oder, falls mann keine hat, in den Arsch - steckt und möglichst lange mit Muskelkraft darin festhält.
Ich begriff natürlich, dass diese Situation ein durchaus skurriles Moment in sich barg. Die allgemeine Reaktion auf diese Erzählung begriff ich aber nicht. Helge fragte fassungslos in die Runde, ob "das nicht echt die Höhe" sei; auch Herbert pflichete ihm empört bei, das sei in der Tat "unglaublich", ja, "eine Unverschämtheit".
Ich war wirklich überrascht. Ich begriff, wie gesagt, die Delikatesse dieser Episode, aber wo, fragte ich mich, darf man denn wohl solche wissenschaftlichen Tatsachen äußern, wenn nicht in einem Beruf, in dem sie wichtig sind? Ganz abgesehen davon, dass unsere ablehnende Haltung unseren Geschlechts- und Ausscheidungsorganen gegenüber ohnehin unbegründet ist.
Meine Einwände, es dürfe in einem medizinischen Beruf wohl nicht verboten sein, Fachwissen zu verbreiten, auch wenn es kulturell bedingt 'anrüchig' erscheine, wurden mit dem Hinweis übergangen, ich wolle "lediglich aufrühren".
13.3.06 21:08


Häufig nutze ich den Bahnhof in der Kleinstadt, wenn ich von zu Hause im Dorfe nach Hause in die große Stadt fahre. Ich fahre dann per Bus zum Bahnhof. Vor dem Bahnhof ist neuerdings ein Stück Fußgängerzone angelegt, durch das lediglich Busse fahren dürfen, und auch die natürlich nur im Schritttempo. Man fährt also auf diese Weise längs am Bahnhof entlang, bis der Bus an der Halte ankommt, die am Hinterende vom Bahnhof liegt. Bei etwas Verspätung kann man dann vom Bus aus sehen, wie im Bahnhof der Anschlusszug eintrifft, Leute aus- und einsteigen und der Zug wieder abfährt, während der Bus ganz gemächlich auf die Halte zugondelt.
Heute wieder so: Zug steht schon da, Bus fährt in aller Seelenruhe dran vorbei und erstmal auf die Halte zu. Ich fragte also den Busfahrer, ob er mich nicht jetzt eben grad rauslassen könne, weil ich den Zug noch kriegen müsse, und er machte ein Gesicht, als hätte ich von ihm verlangt, vom Fünfmeterturm in eine Sardinenbüchse zu springen. Er stieß ein langgezogenes "Neeein" aus, als wisse er nicht, ob er nun empört oder amüsiert sein sollte, so wie man einem Kind erklärt, dass man nicht nach einer Stunde Fahrt auf der Autobahn mal eben umdrehen kann, weil ihm gerade eingefallen ist, dass es seine Lieblingskuscheldecke zu Hause vergessen hat.
20.3.06 23:34


Mein ehemaliger Gitarrero war vor kurzem seinen Kumpel Pierre besuchen, der in Peru für ein Jahr als "Volontario" arbeitet. Als ich ihn vorgestern traf, erzählte er, es sei ja wirklich unerhört, wie es in Peru zugehe. Die Leute, erzählte er, säßen da den ganzen Tag nur rum und beschwerten sich darüber, dass sie arm seien.
Wenn man in Peru ein Kiosk betritt und eine Coke verlangt, aber das Geld nicht passend hat, kriegt man die Coke nicht, weil der Peruaner nicht einsieht, Geld zu wechseln. Dafür meckert er herum, dass er von der westlichen Welt ausgebeutet wird. Und nach acht Uhr Abends kriegt man in Lima kein fließend Wasser, weil der Druck im Leitungssystem dann für die größte Goldmine der Welt verwendet wird. Wenn man einem Peruaner erzählt, dass es in Deutschland Bushaltestellen gibt, macht er große Augen; wenn man ihm erzählt, dass es auch noch Fahrpläne gibt, lacht er einen aus. Seine ganze schöne Zivilisation, die der weiße Mann ihm geschenkt hat, lässt der Peruaner einfach verkommen, so dass er sich wahrlich nicht wundern braucht, in einem Entwicklungsland zu leben. Trotzdem schimpft er fortwährend auf die weiterentwickelten Länder, zum Dank dafür, dass sie ihn aus seinem schäbigen Urwald geholt und ihm Videospiele und Knickerbocker gebracht haben. Jedenfalls, kommentierte der Gitarrero, würde er nie im Leben für diese Menschen einen Cent spenden, wenn er nicht genau wüsste, dass sie dringend Wechselgeld brauchen.
27.3.06 23:16





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